In der Einleitung ist zu lesen, dass es im Hinblick auf das historische Ereignis um die "Graf Spee", ihren Kommandanten Langsdorff und seine Besatzung unterschiedliche Wahrheiten gab und daher es keineswegs die Wahrheit gibt. Trotzdem erscheinen diese vielen Wahrheiten, die oftmals eher Mythen gleichen, wie in Stein gemeißelt.

 

Man könnte manchmal verzagen, wären da nicht die lebendigen Wahrheiten; eine Aktualisierung bereits bestehender Fakten durch Menschen, erstrangig in Argentinien Zuhause und denen das Ereignis von damals nicht einerlei ist, die fortwährend auf der Suche aussagefähiger Dokumente sind und diese auch publizieren bzw. mir als Autor dieser Dokumentation zur Verfügung stellen. Während hier in Deutschland aus unterschiedlichen Gründen, und manche sind im Epilog auch genannt, keine Impulse mehr zu erwarten sind, sorgen die dafür, dass die Geschichte um das historische Ereignis im Allgemeinen und der Sachverhalt in Montevideo bis zum Tod des Kommandanten im Besonderen, lebendig bleibt. Natürlich muss auch erwähnt werden, dass gerade diese Dokumentenlage naturgemäß nur in Argentinien zu finden ist und nur in der spanischen Sprache. Das wurde aber viel zu oft ignoriert; im Glauben, die Wissenshoheit läge ohnehin nur im "vaterländischen Ursprung" - weit gefehlt.

 

Auf dieser Seite, die immer mal wieder aktualisiert wird, werden daher nur exclusive Dokumente abgebildet die, in den jüngeren Zeit bekannt wurden. Obwohl diese alle ihren Platz auch auf den verschiedenen Seiten, passend zum Kontext, finden würden, werden sie vorzugweise hier publiziert, da diese sonst im Verbund mit Vorhandenem nicht genügend Aufmerksamkeit erhalten würden, obwohl sie interessante Details offenbaren, die bisher nicht bekannt waren. Diese belegen wie sehr das "Netzwerk" der NSDAP-Auslandsorganisation und die darin eingebeteten NS-Aktivitäten, in den 1930er Jahren entstanden, Einfluss auf das historische "GS"-Ereignis hatten.

 

Und daher war es von Anfang an wichtig und richtig, diese Episode in einem eigenen Abschnitt "Das Netzwerk" zu thematisieren.

 

Langsdorff hatte mit dem verlorenen Gefecht, mit dem Einlaufen in Montevideo und der Weigerung, seine Besatzung in einem ausweglosen Kampf zu opfern und stattdessen das Schiff zu sprengen, dem "Dritten Reich" geschadet; dem NS-Gedanken allemal. Die Begleitumstände liefen der damaligen deutschen Kriegspropaganda zuwider; Langsdorff war zum Ärgernis geworden und das damalige Deutschland brauchte dringend ein "Bauernopfer", welches sich aber auch als "Held" eignete. Die kommende Dokumentation wird  das stützen.


Beginnen wir mit dem abgebildeten Dokument. Es trägt oben links den Reichadler und den Aufdruck Deutsche Gesandtschaft.

Weiter den Text: Nachtmahl vom 16. auf 17. Dezember 1939 anlässlich der entscheidenden Beratung um Panzerschiff "Admiral Graf Spee" in der Deutschen Gesandtschaft Montevideo.

 

Es ist bekannt und beschrieben, dass Langsdorff gegen 04:00 Uhr morgens zurück an Bord war, die Stabsoffiziere kommen ließ und erklärte, dass das Schiff gesprengt wird. Zuvor um 03:00 Uhr morgens hatte der Marineattaché Niebuhr aus der Gesandtschaft seinen Adjutanten Martin Müller in Buenos Aires angerufen und ihn angewiesen Fahrzeuge bereitzustellen, die die Besatzung nach Argentinien evakuieren sollten. Was auch bekanntlich, in Verbindung mit Inspektor der Reederei Hamburg Süd, Kpt. Hepe, auch vollzogen wurde.

 

Dieses Dokument ist sicher Bestandteil einer Besprechungsniederschrift, in der die jeweiligen Entscheidungen festgehalten wurden. Das gesamte Dokument befindet sich nach Angaben bei einem "gut betuchten" Sammler in Argentinien und ggf. sind die fehlenden Kopien zu erhalten – Versuche sind im Gange.

 

Viel bedeutsamer ist aber zunächst die Teilnehmerrunde mit den Unterschriften. Zunächst die bekannten:

  • Langsdorff als Kommandant, Langmann als Leiter der Gesandtschaft, Niebuhr als Marineattaché, Krankenhagen als Marinebaurat (der die Schäden beurteilen sollte) und Diggins als Adjutant von Langsdorff.

Aber dann wird es interessant:

  • An fünfter Stelle unterschreibt Alfred Müller, Leiter "Politische Angelegenheiten" auf der Leitungsebene der "Auslandsorganisation der NSDAP" in Argentinien und an letzter Stelle (die Letzten beiden sind z.Zt. nicht zu klären) Franz Rademacher, anfangs "SA" und ab 1933 NSDAP-Mitglied und Geschäftsträger der Gesandtschaft in Montevideo - dieser wechselte im März 1940 ins Auswärtige Amt nach Berlin, wo er als Legationsrat die Leitung des "Judenreferats" übernahm. Er war maßgeblich am Entwurf eines Planes beteiligt der vorsah die Deportation aller in Deutschland lebenden Juden. Ob Sandstede als "Presseattaché" und Stellvertreter von Müller, auch an dem Gespräch teilnahm, ist sehr wahrscheinlich trotz fehlender Namensnennung.

Wenn man mal den Letztgenannten beiseitelässt, zumal er der Gesandtschaft angehörte, fragt man sich unweigerlich; was hatte ein hoher Funktionär der NSDAP aus Buenos Aires dort vor Ort verloren. Er hatte jedenfalls der uruguayischen Regierung gegenüber, trotz seiner Funktion, keine Handlungsmacht.

Was hätte so ein Parteifunktionär in dieser Situation als Beitrag leisten können. Wie hätte er Langsdorff unterstützen können.

Oder ging es gar nicht darum in zu unterstützen, sondern ihn zu drängen Maßnahmen zu ergreifen, die militärisch nicht nachzuvollziehen waren - wie einen aussichtslosen Kampf wieder aufzunehmen - wohl aber parteitaktisch von entscheidenden Nutzen waren.

Jedenfalls mit Langmann, Rademacher und Müller saßen drei stramme Parteigänger am Tisch die für Langsdorff sicher keine Sympathien übrig hatten.

 

Wir erinnern uns; bereits bei dem ersten Zusammentreffen am Morgen des 14. Dezember 1939 in Montevideo, eröffnete Langmann das Gespräch mit dem Vorwurf, Langsdorff habe einen großen Fehler begangen, Montevideo anzulaufen - usw.

 

Langsdorff hatte mit dem verlorenen Gefecht, mit dem Einlaufen in Montevideo und der Weigerung seine Besatzung in einem ausweglosen Kampf zu Opfern, in der ihrer eigens symptomatischen Wahrnehmung dem "Dritten Reich geschadet"; dem NS- Gedanken allemal. Die Begleitumstände liefen der damaligen Propaganda zuwider – Langsdorff war zum Ärgernis geworden.


Auf dem Foto ist im Hintergrund der IO Kay zu erkennen und weiter Langsdorff der mit einem argentinischen Marineoffizier spricht. Und zwischen den beiden steht Müller. Abstand bewahrend und sein Blick gerichtet auf Langsdorff - alles spricht Bände; sowohl für den Kommandanten als auch für den Menschen Langsdorff hatten solche Figuren nur Geringschätzung und Kaltblütigkeit im Angebot.

Alfred Müller, auf der Leitungsebene der NSDAP - Auslandsorganisation in Argentinien, als solcher war seine Macht nicht zu unterschätzen und er ließ sich fotografieren, um deutlich zu machen, dass er nun auch in der obersten Liga mitspielte. Ein großer Moment für die eigene Publicity.


In der unteren Bildergalerie ist ein ganz besonderes Dokument abgebildet. Es ist ein Brief von Hans Langsdorff an seinen Bruder Reinhard Langsdorff. Die Besonderheiten werden später thematisiert, zunächst zum Inhalt.

 

 

Lieber Bruder!

Alles hat sich für uns schnell erledigt. Bisher konnte ich noch nicht über die neuesten Entwicklungen berichten.

Das Einzige was ich tat war das Schiff zu zerstören und auf jedem Fall meine Mannschaft retten. Es ist geschafft.

An Ruth, an Mama und an die Kinder habe ich ähnlich geschrieben, aber nicht um sie zu grämen oder sie hineinzuziehen.

 

Wo immer Du auch mit deinen Truppen bist, wirst Du die Dinge verstehen, die ich dir schreibe. Du warst immer der intelligentere von uns beiden. In diesem Schreiben lieber Reinhard möchte ich einige Fragen klären, die ich nicht anderen offenbaren kann; ein hoher Funktionär unserer Botschaft in Buenos Aires ist meinen Weg gekreuzt und hat mich ins Gesicht mit einigen Dingen beschuldigt, die mich fassungslos machten.

Es sind Beschuldigungen, die ich weder als Kommandant noch wegen meines Verhaltens verdient habe.

 

Du Bruder kennst mich besser als jeder andere. Deshalb werde ich die hier nicht aufschreiben, aber ich habe die zwingende Notwendigkeit sie aus meinem Inneren zu rauszulassen, und keiner kommt besser infrage als du, wenn du diesen Brief auf sicheren weg erhältst.

Mein lieber Reinhard wie du dir vorstellen kannst beschäftigt mich weniger die Meinung in Deutschland als die Sicherheit meiner Besatzung, meine loyalen Offiziere und unsere Familie. Wenn Papa jetzt noch wäre! Wie sehr er recht hatte mit diesen Lumpen!

 

Ich schreibe dir, damit du weißt, dass ich sehr zufrieden mit meinem Gewissen bin. Ich habe mich um die materiellen Güter unserer geliebten Heimat gekümmert, habe mich um meine Männer und um unsere Ehre, unsere Familie einschließlich du und ich.

Ich will dir auch schreiben, dass ich nicht bereue, jetzt einige Dinge nicht zufriedenstellend gemacht zu haben, am Ende meines Werdeganges. Es hängt weder von mir noch von unserer Regierung ab, dass es nicht so ausgegangen ist wie erwartet.

 

Der einzige Verantwortliche für alles bin ich und die Art wie man uns erzogen und auf diesen Krieg vorbereitet hat.

Ich beschuldige keinen. Ich nenne nur die Tatsachen jener Umstände, die uns seit jenem bedeutungsvollen 21. August in Wilhelmshaven bis hierher schicksalhaft geführt haben.

 

Geliebter Bruder: Du kennst mich besser als jeder andere. Ich bin nicht gehässig oder gewalttätig. Wie es einige Männer in Berlin und Buenos Aires sind.

Gott lenkt und leitet. Unser Vater hat uns gelehrt, das wahrzunehmen.

 

Wenn unser Schiff nicht vollständig zerstört wurde, so liegt die Verantwortung weder bei mir noch bei meinen Männern.

Auch ist es nicht die Verantwortung deines gescheiterten Bruders, dass einige der wenigen Granaten die das Schiff trafen, die Küchen und die Trinkwasseraufbereitung beschädigt haben und die Munition im Bunker durchnässten. Auch nicht, dass in unserer Niederlage kein anderer sicherer Hafen vorhanden war.

Man hat mich für ein Gefecht vorbereitet, aber wir alle sind in Gottes Hand auch - im Gefecht.

 

Wenn man mich in Berlin kritisiert ist das in Ordnung. Aber das sie mich für die Unkalkulierbarkeit im Gefecht und die verdammte Diplomatie verantwortlich machen; nein.

Niemand kann dem Schicksal Vorwürfe machen, das es die allerhöchste Schuld trägt.

 

Lieber Reinhard ich allein bin der einzige verantwortliche für diese Tragödie.

Es tut mir leid um meine toten Männer, die im Gefecht gefallen sind, um euch und um meine liebe Heimat Deutschland.

Wir werden diese schwierige Lage gut hinter uns lassen, damit ich dich für immer brüderlich umarmen kann.

 

Sollte mir etwas passieren, weißt du, dass Ruth, Inge und Jochen in deiner Obhut sind. Und das wirst du mit der guten Hilfe von Annelise tun.

Aber beeile die nicht, um mich herum kümmert man sich um meine Sicherheit.

 

In der Botschaft behelligt man mich. Und der Herr v. Thermann ist der Einzige, neben den Kapitänen Krankenhagen und Niebuhr, die Männer der Ehre sind.

 

Das kann ich von den Herren in Zivil, die ihn begleiten, nicht sagen.

 

Herr v. Thermann tut alles, damit es mir gut geht, in diesem fernen Land mit guten Menschen.

 

Das musst du wissen. Du musst alle diese Dinge wissen. Ich will nicht Bruder und ich darf mich auch nicht von dir verabschieden.

Nur dir habe ich das alle geschildert, weil du es wissen solltest, denn niemand kann das Schicksal vorher sagen.

 

Mit einer brüderlichen Umarmung, Eho! Eho! Du erinnerst dich?

Sei vorsichtig Bruder.

 

Hans.


Dieser Brief war an die Wohnadresse in Düsseldorf adressiert, sein Bruder aber hat den nie erhalten.

Erst 1968 wurde Dr.jur.Langsdorff von dem italienischen Journalisten, Historiker und Buchautor Arrigo Petacco interviewt. Dieser drehte für das italienische Fernsehen RAI eine Dokumentation mit dem Titel: "La fine della Graf Spee".

Er zeigte ihm eine Kopie des Briefes, der sich sowohl damals als auch heute noch in einer Privatsammlung in Uruguay befindet.

 

Einlassungen der Familie besagen, dass sein Bruder Reinhard ein Tagebuch führte und dort in einem Kapitel "Mein Bruder Hans" seine Erinnerungen niederschrieb; der Brief aber nicht erwähnt wird.

 

Wieso dieser Brief nie nach Deutschland gelangte, schon aber den Weg in eine Privatsammlung in Uruguay fand ist einen der vielen Fragen, die wohl nicht mehr zu klären sind.

Es liegt aber nahe, dass dieser Brief im Laufe des Vormittages des 20. Dezember 1939, nachdem man Langsdorff erschossen fand, dieser und auch andere Gegenstände von ihm, von Angehörigen der Deutschen Botschaft requiriert wurden, bevor die argentinischen Behörden, wie an anderer Stelle zu lesen ist, erst am Mittag benachrichtigt wurden.

 

Es ist bekannt, dass seine Pfeife, sein Tabaksbeutel, aber auch andere persönliche Gegenstände wie ein Federhalter, ein Buch und eine Nagelbürste, nie wieder aufgetaucht sind – besonders der Ehering. Gegenstände, die in der Niederschrift der Argentinischen Untersuchungsbehörden nach der Zimmerbesichtigung, sehr wohl genannt werden.

 

Im Zusammenhang mit dem Tod von Langsdorff fand sogar eine Vernehmung statt. Die damaligen Umstände hatten auch bei den Alliierten von Anfang an Fragen aufgeworfen. Auch dieser Text ist in der Galerie abgebildet.

 

In einer Vernehmung am 20. Mai 1945 durch den US-Navy-Commander Carl Weisskopf erklärte der damalige Boschafter v. Thermann u.a., dass Langsdorff ihm am Abend des 19. Dezember 1939 eine Mappe übergab, mit Telegrammen und andere Dokumente in einem verschlossenen Umschlag, die nach Berlin an das Personalbüro gesandt werden sollte. Diese Aufgabe wurde an den Marineattaché Niebuhr delegiert. Ob das Geschehen ist, konnte bisher nicht geklärt werden.

 

Leider ist von dem Brief nur die erste und dritte Seite in Kopie vorhanden. Erfreulicherweise aber gibt es eine spanische Übersetzung, und so konnte der gesamte Text rekonstruiert werden – diese ist in der Galerie abgebildet.

 

Der vorhandene deutsche handschriftliche Text wurde mit dem spanischen verglichen und es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede – lediglich auf die Synonymik musste geachtet werden.

 

Es wird hier ganz bewusst auf eine Bewertung der Brief-Architektur verzichtet. Jeder, der dieses historische Ereignis, zumindest das Wesentliche, in der WebDok. bisher her aufmerksam gelesen hat, soll zu einem ganz eigenen Ergebnis kommen.

 

Allerdings ist auch hier nicht zu übersehen, dass die NS-Doktrin, wie schon in Montevideo, das Bestimmende waren. Darüber hinaus sind die Fragen, über die Besonderheiten der Todesumstände von Hans Langsdorff, nicht weniger geworden.

Zumal zu dem bekannten Protokoll der argentinischen Untersuchungsbehörden zum Tode von Langsdorff, sich noch eine handgeschriebene Protokollnotiz angefunden hat. Auch diese ist vom Untersuchungsrichter Dr. M. Jantus unterschrieben.

 

Sowohl die handschriftliche Notiz als auch als Textdruck ist in der Galerie abgebildet.

Es handelt sich hierbei um eine Zeugenaussage. Der Zeuge Helmut Werneburg, 45 Jahre, verheiratet, bezeugt hier den Tod von Hans Langsdorff, der durch einen Kopfschuss, bzw. durch eine Kugel, die zu einem Gehirnbruch führte, verursacht wurde. Weiter durch den herbeigerufenen Arzt Dr. Horacio Vernengo Lima bestätigt und unter der Nummer 1216086 archiviert wurde.

Nur zur Vollständigkeit; dieser Arzt war der Bruder von Adm. Hector Vernengo Lima, z.Zt. Leiter der Marinemilitärschule und später Chef des Generalstabs der Argentinischen Marine.

 

Unterschrieben wurde das Dokument von Helmut Werneburg und einem weiteren Zeugen, Wilhelm Fischter 40 Jahre, verheiratet, die den Leichnam gesehen hatten. Beide Zeugen gaben dieselbe Wohnadresse an - Martínez, Arenales 2403. Dokumente belegen, dass beide aktiv in der NS-Auslandsorganisation tätig waren - welche Überraschung.

Werneburg, Nummer 2537338 - Beitritt 1. August 1935 - war Bankangesteller und Fischter, Nummer 7017400 - Beitritt 1. Februar 1939  - war Lehrer.

 

Auch wenn nach argentinischem Prozedere der Akt formal die Bedingungen erfüllte; bei einer inzwischen so bedeutenden Person wäre es, nach dem hier üblichen Vorgehen unerlässlich gewesen, dass mindestens W. Kay KptzS. und ein hochrangiger Vertreter der Deutschen Botschaft anwesend gewesen währen und bestätigt hätten. Offensichtlich wollte keiner mit der Sache zutun haben …

 

Darüber hinaus ergibt sich auch aus der Vernehmung von v. Thermann vom 20. Mai 1945, dass der damalige Untersuchungsrichter Dr. M. Jantus eine Obduktion angeordnet hatte, welche aber durch den OB GAdm.Raeder abgelehnt wurde. Die Deutsche Botschaft wurde mit Telegramm davon in Kenntnis gesetzt. Man wird den Eindruck nicht los; so genau wollte es keiner wissen.



An anderer Stelle war bereits über die Evakuierung der Besatzung nach Argentinien zu lesen.

In der Bildergalerie unten ist das Protokoll vom 22. Dezember 1939 der Argentinischen Marinepräfektur einzusehen, welches die Befragung von Kpt. Rudolf Hepe wiedergibt. Hepe schildert hier die dramatischen Stunden von Beginn an - 17. Dezember 1939 03:00 Uhr OZ - die Organisation zur Evakuierung der Besatzung, die Übernahme der selbigen, den Zwischenfall mit der uruguayischen Marinepräfektur, bis zur glücklichen Ankunft in Buenos Aires am Morgen des 18. Dezember 1939. Gewiss eine Meisterleistung, aber organisiert durch den damaligen E-Dienst, eine geheime Institution der Deutschen Kriegsmarine, der die Regie führte.

 

Damit war aber der Vorgang nicht erledigt – jedenfalls nicht führ die argentinischen Behörden.

 

Auch J. Vento, der Schiffsführer der Schute "Chiriguana" wurde befragt.

 

Er erklärt hier, am 26. Dezember 1939, dass er durch die Marinepräfektur Dársena Norte am 15. Dezember 1939. die Abfertigung erhielt, mit seiner Sandschute nach Montevideo zu laufen, um dort Ladung zu übernehmen.

Am frühen Morgen des 17.Dezember lag er im südlichen Kanal der zum Hafen führt in Höhe von Km 5 vor Anker und wartete auf den Schlepper "Atleta" der die Schute in den Zielhafen "Puerto Platero" bringen sollte. (Der Hafen liegt in Uruguay, genau gegenüber vom Hafen von Buenos Aires.)

 

Um 06:30 Uhr kam der Schlepper "Gigante" längsseits, nahm die Schute auf den Haken und der Schiffsführer des Schleppers erklärte, dass die Schleppergesellschaft "La Porteña" angeordnet hat, die Aussenräde von Montevideo zu erreichen.

Um 19:00 Uhr erreichten sie das Ziel und es konnte beobachtet werden, wie die "Graf Spee" den Hafen von Montevideo verließ und nach Süden drehte.

Dorthin liefen auch die Schlepper "Gigante" und "Coloso". Als Hepe mit dem Schlepper "Coloso" längsseits kam, forderte er den Schiffsführer der Schute auf die Luken zu öffnen, um die Besatzung der "Graf Spee" zu übernehmen, die etwa 6 Meilen von Montevideo entfernt lag.

Dann wurden die Schlepper von einem deutschen Offizier erreicht, der in einem Verkehrsboot unterwegs war, sprach mit den Schiffsführern der Schlepper und danach wurde Kurs auf ein Frachtschiff genommen das eine deutsche Flagge führte und sich als die "Tacoma" herausstellte.

Als sie gerade längsseits gegangen waren, hörte man die ersten Explosionen, die von Bord der "Graf Spee" folgten.

Danach fuhr der Schlepper-Convoi, mehrfach die Richtung ändernd, weil wiederholt sich Fahrzeuge näherten mit uruguayischen Offizieren an Bord, die mit den Fahrzeugführern sprachen. Dann um etwa 21:00 Uhr konnte der Schlepper "Gigante" nebst Schute seine Fahrt nach Buenos Aires fortsetzten.

 

Der Schlepper "Coloso" kam außer Sicht und wurde erst am Morgen des 18.Dezember vor dem "Banco chico" wahrgenommen.

 

Um 10:00 Uhr erreichte der Schlepper "Gigante" und die Schute die Aussenräde von Buenos Aires und blieben dort liegen. Nachdem die Gesundheistbehörde dem "Gigante" einen Besuch abgestattet hatten, konnten die Fahrzeuge im Hafen anlegen. Dann, am Nachmitag, konnte die Besatzung der "Graf Spee" an Land gehen.

Auf die Frage der Präfektur, ob er sich darüber im Klaren wäre, dass er die Abfertigungsvorgaben geändert hatte, antwortete er, dass der ganze Vorgang auf Seite 72 im Schiffsbuch festgehalten wurde. Beginnend mit der Abfertigung bis zum Anlegen in Buenos Aires um 11:30 Uhr.

 

Der Schiffsführer Jose Vento, 39 Jahre, eingebürgerter Argentinier italienischer Abstammung, wurde nicht juristisch nicht verfolgt.

 

Auch Hermann Brand und Willhelm Winter, die Schiffsführer der beiden Schlepper, mussten sich auch einer Befragung unterziehen. Diese rückten inhaltlich nicht von den Angaben von Kpt. Hepe ab.

 

Allerdings wurden beide zu einer Strafe von 100,- Peso, ersatzweise 30 Tage Gefängnis, herangezogen wegen des Verstoßes gegen die Hafenvorschriften und weitere 50,- Peso wegen Verletzung der Neutralitätsregeln des Landes.

Das wären nach heutiger Rechnung eine nicht unerhebliche Strafzahlung von über 700,00 € gewesen.

 

Darüber hinaus wurde die Leitung der Reederei Antonio Delfino, die für die Hafenschleppergesellschaft "La Porteña" verantwortlich war, vorgeladen. Es erschien Ramon Jacinto Gonzales dem der Vorgang vorgetragen und erklärt wurde , dass hier gegen die Hafenvorschriften verstoßen wurde und weiter, dass die Neutralitätsregeln verletz wurden.

 

Der ganze Vorfall wurde später Gegenstand der "Comisión Investigadora de Actividades Anti-Argentinas", eine Parlamentarische Untersuchungskommission zur Aufdeckung von Maßnahmen, die sich gegen Argentinien richteten und über die an anderer Stelle bereits berichtet wurde.

Das hatte am Ende zur Folge, dass der Reederei für beide Schlepper die Betriebserlaubnis entzogen und die Fahrzeuge 1942 in die Argentinische Marine integriert wurden.

Warum der Schlepper "Atleta", der auch zur Schleppergesellschaft "La Porteña" gehörte, am 17. Dezember 1939 nicht auch gleich mit eingesetzt wurde, dann wären die anderen Fahrzeuge nicht so überfüllt gewesen, ist nicht bekannt. Allerdings wurde auch der 1942 in die Argentinische Marine integriert.





Schwerer Kreuzer HMS "Exeter"

Der Wahlspruch: "Semper fidelis"

York-Klasse - 8390 ts - 32 kn

Leichter Kreuzer HMS "Ajax"

Der Wahlspruch: "Nec Quisquam Nisi Ajax"

Leander-Klasse - 7270 ts - 32,5 kn

Leichter Kreuzer HMNZS "Achilles"

Der Wahlspruch: "Braverly in Action"

Leander-Klasse - 7270 ts - 32,5 kn