Am 29. Oktober 1938 übernahm nun KptzS. Hans Langsdorff das Kommando.

Die Besatzungsstärke in Friedenszeiten zählte mutmaßlich 965 Mann. Wie schon zuvor beschrieben war die fachliche Qualifikation des Maschinenpersonals aus dem jeweiligen Zivilberuf und durch die solide technische Ausbildung bei Reichs- und Kriegsmarine ausgezeichnet.

Und das sollte sich in der Zukunft als "der Aktivposten" auf dem Schiff erweisen! Das Maschinenpersonal, auch "Heizer" genannt, war in der VII., VIII. und IX. Division organisiert. Vorzugsweise wurden zum Flottendienst spezialisierte Facharbeiter für eine langjährige Dienstzeit verpflichtet. Durch ein Überangebot an Freiwilligen vor dem Krieg konnte die Kriegsmarine damals die fachkundigsten Leute aussuchen.

 

Zwei Besatzungsmitglieder, stellvertretend, ein Masch.Ob.Mt. und ein Masch.Ob.Gefr., beide "Heizer", VIII. Division, E-Machinenanlage, werden uns nun auf eine spannende Zeitreise mitnehmen.


Hans Götz, gebürtig in Blaubeuren, Jahrgang 1914, war gelernter Elektroinstallateur. Nach seiner sechsmonatigen Verpflichtung im RAD der "Max Eyth Kameradschaft" in Ulm/Butzental begann am 01. Juni 1933 die Dienstzeit bei der Reichsmarine als Zeitsoldat für zwölf Jahre. Die Ausbildung geschah in Kiel – 1. Marine-Artillerie-Abteilung – 2. Kompanie. Die Vereidigung erfolgte am 14. Juli 1933 auf den Eid der "Weimarer Republik von 1919". Nach diversen Lehrgängen, seinen Bordkommandos auf dem Linienschiff "Hessen" und dem "PzS. Adm. Scheer", folgte am 25. Mai 1936 das Bordkommando auf das "PzS. Adm. Graf Spee".

Es kam abwechselnd zu Ausbildungsfahrten im Ausland und Lehrgängen – am 01. März 1939 erfolgte die Beförderung zum Ob.Masch.Mt..

Heinz Neumann, gebürtig in Berlin, Jahrgang 1919, war gelernter Maschinenbauer für E-Generatoren. Nach seiner sechsmonatigen Verpflichtung im RAD Abt. 1/81 in Vetschau / Spreewald begann am 01. April 1938 die Dienstzeit bei der Kriegsmarine als Zeitsoldat für vier Jahre. Die Ausbildung geschah in Eckernförde - 5. Schiffsstammdivision–Ostsee. - Die Vereidigung erfolgte am 20. April 1938. Seit August 1934 wurde die gesamte Reichswehr auf Hitler vereidigt. Die Soldaten waren nicht mehr dem Gemeinwohl verpflichtet, sondern nur der Person, und das hatte oft Folgen für die Geisteshaltung. Zu glauben, dass Hitler sich ebenso der Armee verpflichtet fühlte, stellte sich bald als eine Fehleinschätzung raus. Ende Oktober 1938 folgte das Bordkommando auf das "PzS. Adm. Graf Spee".



Mit den obigen Ausbildungsberufen war es nur konsequent, dass der Dienst im E - Maschinenanlagebereich versehen wurde - E-Werk und E-Schaltstelle - beide gehörten der VIII. Division an.

Die ständige Wartung und Pflege einer derart hochmodernen Anlage stellte aber auch für das Bedienungspersonal eine ständige, zehrende Anstrengung und Belastung dar!

Die immerwährende und stete Kontrolle vieler ineinandergreifender Räder und Einzelteile verlangte harten Einsatz und höchste Energien und verbrauchte selbst starke Nerven in kurzer Zeit. Der tägliche Bordbetrieb auf einer schwimmenden Maschinenstadt lässt keine Spur alter Seefahrerromantik aufkommen. Allenfalls die Schlafstätten für die Mannschaft orientierten sich an dem herkömmlichen Brauch – Hängematten. Diese hatten aber auch noch eine andere Funktion. Da für die Besatzung im Allgemeinen keine Schwimmwesten vorhanden waren, bis auf wenige für die Kutterbesatzung, wurden ersatzweise diese Hängematten genutzt, in dem man diese, inklusiv der Schlafwäsche, stramm rollte und zurrte. Ob im Wege regelmäßiger Übungen diese Tauglichkeit geprüft wurde, ist nicht überliefert, aber den Erzählungen nach ist zu entnehmen, dass diese Lösung als Normalität betrachtet wurde und dieser Zustand sollte sich auch später in der Operationsphase nicht ändern.

Es war ja kein Geheimnis, dass Dieselmotoren mit einer Gesamtleistung von 76.240 PS keine "Flüstermotoren" sein konnten - trotz schalldämmender Zusatzeinbauten konnte der Lärm nur beschränkt gesenkt werden. Von ihrer schweren Arbeit tief unten im Schiff, bei Hitze und Lärm, hat die übrige Besatzung, außer dem Vibrieren des Schiffes und dem Geräusch der Auspuffgase, kaum was bemerkt. Ja, bei diesen hohen Temperaturen, der stickigen Luft, dem obligaten Schmieröl und Lärm war die finanzielle Zulage, die für solche Bereiche gezahlt wurde, eher "marginal"zu bewerten.


Aber wie stünde es um eine leistungsfähige Mannschaft und ihrer Gesundheit auf einem hoch technisierten und zugleich hochgerüsteten Schiff, gäbe es da nicht auch die Seele des Schiffes - die tägliche Versorgung. Diese bestand, außer dem Bordlazarett natürlich, folgerichtig aus der Kombüse, der Bäckerei und den Räumlichkeiten für die Friseure, Schuhmacher und Schneider. Diese Einrichtungen waren mit Ziviangestellten besetzt. Jeweils drei Köche, Friseure, Schuhmacher und Schneider. Und eine Wäscherei, die von sechs chinesischen Zivilangestellten betrieben wurde.

Eine weitere wichtige Einrichtung war die Kantine. Hier konnte man nicht nur Bier erhalten, das direkt vom Fass in einen Dreiliteraluminiumtopf (auch "Scheinwerfer" genannt) gezapft wurde und dann gemeinsam bei den Zahlenden die Runde machte. Auch Süßigkeiten und Knabbereien, Körperpflege und Schuhcreme waren zu erhalten. Das Interessante war aber der Charakter der Bezahlung – entweder mit echtem Geld oder mit dem sogenannten "Bordgeld". Das waren geprägte Aluminiumstücke mit dem Aufdruck: Kantine Admiral Graf Spee bzw. der Wert 50, 100 und 200 Reichspfennig. Und die wurden als Lohnzahlung, neben dem echten Geld, durch die Zahlmeisterei ausgegeben. Da jeder über die Auszahlungsmenge entscheiden konnte, wurde ein Zahlungskonto geführt und das Guthaben notiert.


Und das aller Wichtigste – die Tradition. In der Seefahrt gibt es ein Reichtum an solcher, der Großteil gehört zum Allgemeingut, aber manches ist doch sehr spezifisch: Die Marinetradition. In den chilenischen Gewässern vor "Coronel", eine Hafenstadt im mittleren Chile, fand am 1. November 1914 ein Seegefecht statt zwischen dem deutschen Ostasien-Geschwader, unter der Führung von Vizeadmiral Maximilian Graf von Spee, u. a. mit den Großen Kreuzern "SMS Scharnhorst" und "SMS Gneisenau" und einem britischen Geschwader unter der Führung von Admiral Sir Christopher Cradock, u.a. mit den Panzerkreuzern "HMS Good Hope" und "HMS Monmouth". Während die britische Seite erhebliche Verluste hatte, unter ihnen auch Admiral Cradock, gab es auf deutscher Seite nur geringe Verluste und Gefechtsschäden.

Wenige Tage später aber wurde das Geschwader am 8. Dezember 1914 vor den Islas Malvinas, auch Falkland Inseln genannt, von einem überlegenen britischen Marineverband gestellt und versenkt.


Dieser Tradition folgend - und zum Gedenken an das Ostasien-Geschwader - wurde dem Gefechtsturm der "Graf Spee" der Name "Coronel" hinzugefügt. Weiter wurden die zwei Drillingstürme "(A)nton + (B)runo" nach den Kreuzern "SMS Scharnhorst" (Flaggschiff) und "SMS Gneisenau" benannt. Sie trugen das jeweilige Wappen der Schiffe.


Die ersten beiden Ausbildungsreisen unter dem Kommando von Langsdorff führten wieder in spanische Gewässer. Im Oktober 1938 nach Tanger (ehemals Spanisch Marokko) und im November 1938 nach Bilbao in Spanien. Und beide Male zeigte sich die Biskaya von ihrer berüchtigten, unsteten Seite - in dieser Jahreszeit sowieso eher die Norm. Wieder zurück von der letzten Ausbildungsfahrt war eine turnusmäßige Werftliegezeit vorgesehen – also fand die weitere Ausbildung an Land statt.

Im März 1939 war es wieder soweit - Schiff und Besatzung waren gerade unterwegs, da wurden sie zurückbeordert! Im Rahmen der Wiedereingliederung des Memellands ins damalige Deutschland musste vom 22. - 24. März 1939 die Sicherung von der Seeseite übernommen werden. Da es keine Zwischenfälle gab, kehrten bald Schiff und Besatzung nach Wilhelmshaven zurück und konnten die Vorbereitungen zur nächsten dritten Auslandsreise vornehmen.


Die dritte Ausbildungsreise dauerte vom 18. April bis 16. Mai 1939. Anbeginn der Reise wurde Hans Götz 25 Jahre alt. Sie führte Schiff und Besatzung zunächst an Gibraltar vorbei an die nordafrikanische Küste, mit Besuch der spanischen Stadt Ceuta (Exclave) und der marokkanischen Stadt Tétouan (ehemals Spanisch Marokko).

Auf der Rückreise nach Portugal erfolgte der Besuch der Städte Lissabon und Sintra mit den darüber hinaus vielen Sehenswürdigkeiten. Die Reise muss wohl großartig gewesen sein, so erzählte später wiederholt, ehemalige Besatzungsmitglieder. Allerdings für einige der VIII. Division auch sehr anstrengend, weil sie, in Unkenntnis der Wirkung, dem Süßwein "Moscatel" in größeren Mengen zugesprochen hatten und der darauf folgende Zustand den Tatbestand der Dienstuntauglichkeit erfüllte.

Ein kleiner Ausschnitt an Bildern zeigt am besten diese noch unbeschwerte Zeit und lässt besser verstehen, die Erinnerungen an jene Ausbildungsreise.


Am 02. Mai 1939 erfolgte die Rückreise. Am Felsen von Gibraltar und Cabo de São Vicente vorbei lief die Graf Spee und ihre Besatzung nun in portugiesische Gewässer ein. Am 06. Mai 1939 legte die "Graf Spee" in Lissabon am Kai Rocha Conde d`Obidos an. Für den 07. Mai war ein Bordfest vorgesehen und für den 10. Mai eine Kranzniederlegung am Gefallenen-Ehrenmal. Die Einladung erfolgte durch den Deutschen Verein in Lissabon. Neben der Besichtigung Lissabons kam der Besuch der Stadt Sintra mit ihrem Palácio Nacional da Pena auf der Sierra de Sintra und der Blumengarten des Palast Monserrat - unvergessliche Tage in einer vergänglichen Zeit.



Am 16. Mai 1939 erreichte das Schiff Wilhelmshaven. Kurze Zeit später lief es noch mal aus, vom 28. - 31. Mai, um den KdF - (Kraft durch Freude) Schiffen "Robert Ley", "Wilhelm Gustloff", "Stuttgart", "Oceana" und "Sierra Córdoba II" mit den heimkehrenden deutschen Soldaten, die, in der "Legion Condor" Franco unterstützend, in Spanien Dienst taten, das Ehrengeleit bis in den Hamburger Hafen zu geben.


Nach der Rückkehr aus Hamburg ging es kurz in die Werft. Nach Vervollständigung der Ausrüstung und Verproviantierung ging es wieder zu einer Ausbildungsreise in die Ostsee - genauer gesagt vor die Insel Rügen, um dort u.a. eine Torpedoschießübung abzuhalten.

Und da in diese Übung sich ein Wochenende einschob, die "Graf Spee" querab von Binz lag und für die Urlauber, die den Strand bevölkerten, ein Kriegsschiff in ihren Gewässern einer kleinen Sensation wohl gleichkam, wurde eine Schiffsbesichtigung für Sonntag, den 13. August, ermöglicht.

Gerade mal eine Woche war vergangen, da erreichte das Schiff und die Besatzung am 17. August 1939 ein Funkspruch - sie mussten sofort zurück nach Wilhelmshaven.

Mit hoher Marschfahrt ging es zurück durch den " Kaiser Wilhelmkanal" - heute Nord-Ostsee-Kanal. Für unsere beiden "Speefahrer" endete nun diese unbeschwerte Zeit. Ausbildungsfahrten, Flottenparaden, Auslandsbesuche – das alles ist nun Geschichte.


Schwerer Kreuzer HMS "Exeter"

Der Wahlspruch: "Semper fidelis"

York-Klasse - 8390 ts - 32 kn

Leichter Kreuzer HMS "Ajax"

Der Wahlspruch: " Non other than Ajax"

 Leander-Klasse - 7270 ts - 32,5 kn

Leichter Kreuzer HMNZS "Achilles"

Der Wahlspruch: "Braverly in Action"

Leander-Klasse - 7270 ts - 32,5 kn