República Oriental del Uruguay

Libertad o Muerte
Libertad o Muerte

Montevideo

 

Mittwoch, 13. Dezember 1939

 

Der Tag neigte sich dem Ende zu. Unbekanntes Gewässer. Das Fahrwasser wurde zunehmend flacher, sandiger – das Brackwasser des La Plata. Tiefgang der "Graf Spee" 7m plus x und das Fahrwasser, im günstigsten Fall, nur etwas mehr. 

 

Um 22:50 Uhr OZ, das ist dem Blatt 122 des Logbuches des Hafens von Montevideo, das das Ein-und Auslaufen von Kriegsschiffen dokumentiert, zu entnehmen, lief das Kriegsschiff ein. >> Langsam, aber offenbar mit guten Ortskenntnissen, suchte es einen Platz im Vorhafenbecken und der Anker fiel<<.[...]

 

Die Mitteilung des Kommandanten über die Lautsprecher an die Besatzung: >> Für heute ist der Krieg für uns aus. <<

 

Der Anlass für das Einlaufen in Montevideo waren offenkundig die Schäden. Das Schiff war nicht mehr seetüchtig und eine Wiederherstellung der selbigen war nur mittels Werftunterstützung durchführbar. Die vermeintliche Neutralität Uruguays ließ diese notwendigen Reparaturen möglich erscheinen.

 

Sehr bald nach dem Ankern näherte sich der "Graf Spee" eine Dienstbarkasse der Hafenverwaltung mit zwei Offizieren, dem Lotsenkapitän von Montevideo KKpt. Mognoni und weitere Behördenvertreter an Bord.

 

Die Offiziere, KKpt. Valera und KptLt. (Ing.) Fontana, hatten den Auftrag, die Schäden an Bord der "Graf Spee" festzustellen.

Valera und Fontana boten zunächst medizinische Hilfe für die Verwundeten in ihren Krankenhäusern an Land an. Anfangs wehrte Langsdorff höflich dieses Angebot ab. Kurze Zeit später gegen 01:30 Uhr wurden fünf Schwerverwundete doch in das "Hospital Pasteur" gebracht. Alle anderen Verwundeten blieben zunächst an Bord.

 



Der Sachlage unter Deck kann nur als chaotisch beschrieben werden. Überall wo es sich anbot saßen oder lagen Mannschaften am Boden, völlig erschöpft, manche apathisch. Die Besatzung war jetzt gut 16 Std. "auf den Beinen" ohne Essen und Trinken.

 

In einem Brief vom damaligen Mar.Ob.St.Arzt Dr. Kertzendorff ist zu lesen, dass bereits kurz nach Gefechtsbeginn die ersten Verwundeten gebracht wurden.

Durch die Granatsplitterwirkung war der Blutverlust bei den Verletzten das Charakteristische.

 

Hier wird auch der Granateinschlag im E-Maschinenraum erwähnt, der einen unbeschreiblichen Knall erzeugte und auch den Wassereinbruch im Operationsraum auslöste. Dort im OP operierte er 14 Std. ununterbrochen im Wasser stehend – die Verletzungen waren durchweg schwerster Natur, zunächst durch Granatsplitter, abgesplitterten Eisen und Holzteile, aber auch durch die "knochenharte" abgesplitterte Farbe.

 

 Diesen desaströsen Zustand nahmen natürlich auch die beiden uruguayischen Offiziere Valera und Fontana wahr, zumal sie durch das ganze Schiff geführt wurden – das gaben sie später zu Protokoll.

 

Um so verblüffender war die Entscheidung nach Begutachtung der Schäden, dass ein Aufenthalt von 48 Stunden (!) ausreichte, um eine Seetüchtigkeit wiederherzustellen.

 


"Die Schlacht vom Río de La Plata"

 

Was sich nun in den folgenden Stunden und Tagen in Montevideo ereignete, kann man menschlich betrachtet ein Drama nennen. Politisch betrachtet begann jetzt das, was gemeinhin als "Die Schlacht vom Río de La Plata" bekannt wurde, eine politisch motivierte diplomatische Schlacht.

Der Hintergrund war, dass Uruguay für sich die Neutralität beanspruchte, eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit von Großbritannien aber diese beeinflusste.

Entstanden war das dadurch, dass die immense Auslandsverschuldung 1937 durch ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien herabgemindert werden konnte, durch eine Reduzierung der Zinslast. Im Gegenzug erhielten US-Raffinerien und Automobilunternehmen gewisse wirtschaftliche Vorteile und auch ansässige britische Unternehmen erfuhren eine großzügige Behandlung.

Daher waren große Teile der Infrastruktur in britischer Hand oder zumindest beeinflusst. Güter-und Personenzugverkehr, Straßenbahnen, die Gas- und Stromversorgung, Teile des öffentlichen Dienstes, aber auch kleine und mittlere Unternehmen.

Als sich in Europa die Möglichkeit eines Krieges abzuzeichnen begann, ging man in Uruguay davon aus, dass im Falle eines Krieges Montevideo als südamerikanische Basis der internationalen Handelsmarine infrage käme. Daher wurde im britischen Konsulat eine Abteilung für maritime Beratung eingerichtet.

Auch wurden die Beziehungen zu den obengenannten Einrichtungen und deren Mitarbeiter nochmals intensiviert.

 

Freeman Thomas, Graf von Willingdon, besuchte im Oktober 1938 Rio de Janeiro, Montevideo und Buenos Aires und verteilte Medaillen für die erbrachten Leistungen an Mitarbeiter britischer Firmen. Sie waren aus Bronze für Angestellte mit 20 Jahren Dienst, Silber für 25 Jahre und Gold für 30 Jahre Dienst.

Eine nachhaltige politische und wirtschaftliche Festigung der Beziehungen vor Ort war unübersehbar – für Großbritannien als Inselstaat überlebensnotwendig.

 

Für Langsdorff und seine Besatzung war aber nicht nur diese wirtschaftliche Abhängigkeit hinderlich, sondern vielmehr die politische Lage.

Uruguay wurde damals vom Präsidenten General A. Baldomir regiert. Er und alle anderen Regierungsmitglieder gehörten dem "partido Colorado" an – eine Partei mit liberaler Ideologie und Mitte – Rechts Positionierung.

Allerdings waren, zumindest Teile der Regierungsmitglieder, britisch geprägt. Besonders der Außenminister und der Verteidigungsminister – beide waren hier die Hauptgestalten.

Außenminister Dr. A. Guani war Jurist, Diplomat und späterer Vize-Präsident seines Landes von 1943 bis 1947. Er trat in den diplomatischen Dienst ein und diente u.a. auch als Generalbevollmächtigter in Großbritannien 1936 bis 1938.

Verteidigungsminister Alfredo R. Campos war u.a. Militär und Historiker. Ab Oktober 1936 Direktor der Militärschule "Sandhurst" in Uruguay. Beide traten der Regierung im Juni 1938 bei.

 

Aber der eigentliche Gegenspieler von Langsdorff war der einflussreiche britische Botschafter in Uruguay Eugen Millington-Drake.



Millington-Drake nahm aktiv am sozialen und kulturellen Leben von Montevideo teil. Im März 1934 brachte er eine Gruppe uruguayischer und britischer Persönlichkeiten zusammen, die mit der kulturellen Umwelt verbunden waren, um den Vorschlag zur Gründung eines anglo-uruguayischen Kulturinstituts vorzustellen, das im Wesentlichen für den Unterricht der englischen Sprache gedacht war. Die Idee wurde umgesetzt und das Institut wurde offiziell im April desselben Jahres eingeweiht. Die Institution begann ihre Aktivitäten und war äußerst erfolgreich. Darüber hinaus vermittelte er im November 1936 finanzielle und technische Mittel, um die Fluggesellschaft Pluna (Primera Línea Uruguaya de Navegación Aérea) zu gründen.

Klugerweise aber trat er nicht in den Vordergrund, die uruguayische Souveränität sollte ja nicht infrage gestellt werden, sondern blieb im Hintergrund aber nahm kraft seines Amtes nachhaltigen Einfluss auf die uruguayischen Behörden.

Diese Verhältnisse waren Langsdorff nicht bekannt. War das Auslaufen aus Wilhelmshaven schon eine "Nacht und Nebel-Aktion", so war die Tatsache, dass man Langsdorff nicht über die politische Situation der jeweiligen Anrainerstaaten in den möglichen Operationsgebieten informierte ein Desaster.

Nun, in solchen Konfliktfällen ist die Hilfe der eigenen diplomatischen Landesvertretung unerlässlich.


Donnersteg, 14.Dezember 1939

 

Zunächst musste man sich um die Gefallenen kümmern.  Die wurden in die - in der Nacht gelieferten - Särge gebettet und ach-
tern an Deck aufgestellt. Am Vormittag wurden die Särge auf einen Leichter umgeladen. Die Besatzung stand in Paradeaufstellung an Bord und nahm von den Gefallenen Abschied, da nur wenige an der Beisetzung teilnehmen konnten – das Schiff musste aufge-
klart werden.


Langsdorff war zu diesem Zeitpunkt seit 24 Stunden ununterbrochen auf den Beinen, hatte ein Gefecht gegen einen überlegenen Gegner geführt, war verwundet und bewusstlos gewesen, hatte seine Toten und Verwundeten sehen müssen und ein beschädigtes Schiff nach Montevideo geführt. Er muss erschöpft gewesen sein.

 

Nun standen sich Langsdorff und der Leiter der Deutschen Gesandtschaft in Uruguay Otto Langmann gegenüber. Langmann eröffnete das Gespräch mit dem Vorwurf, Langsdorff habe einen großen Fehler begangen, Montevideo anzulaufen. Briten und Franzosen würden hier den Ton angeben, und Hilfe sei unter diesen Umständen nicht zu erwarten.

Die britische Regierung habe einen starken Einfluss im Lande und einen Vertreter (gemeint ist Eugen Millinglon-Drake), der versuchen würde, das Schiff internieren zu lassen.

 

Obwohl erstaunt über diese abweisende Begrüßung, informierte Langsdorff den Gesandten über das Gefecht und die Schäden am Schiff, für deren Reparatur er zunächst 30 Tage ansetzte!

 

Langmann erwähnte die Praxis der Royal Navy, die sich zum Verproviantieren nie länger als 48 Stunden im Hafen aufhalten würden, und verlangte im Fall der "Graf Spee" das gleiche Verhalten – schließlich wäre das eine Frage des Prestiges.

Daraufhin reagierte Langsdorff verärgert und sagte ihm, dass er nicht zum Verproviantieren da wäre, sondern um die Schäden zu reparieren.

 

Langmann kündigte das kurzfristige Eintreffen des deutschen Marineattachés aus Buenos Aires an. Dieser würde von einem Sachverständigen für Schiffbau begleitet, und sobald deren Bericht vorliegt, würde er die deutschen Wünsche der uruguayischen Regierung vortragen. Damit war diese erste Begegnung auch schon zu Ende.

 

Dass Langsdorff über die politischen Verhältnisse der südamerikanischen Küstenstaaten vor dem auslaufen aus Wilhelmshaven von der Skl. nicht informiert wurde, wusste Langmann offenbar nicht. Aber es lässt auch erkennen, wie ungelegen der damaligen deutschen Außenpolitik dieser Vorfall kam und Langsdorff war dieser zum Problem geworden. Quellen zufolge soll das Verhältnis zu Milligton-Drake gut gewesen sein und jegliche Beeinträchtigungen wollte man vermeiden.


Zu Langmann wäre kurz anzumerken, das er 1898 geboren, aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrte und ein Theologiestudium begann. Danach ging er als Auslandspfarrer nach Südamerika, 1931 trat er in die NSDAP ein und gründete in Guatemala die erste Landesgruppe der Partei im Ausland.

Im Jahr 1933 kehrte er nach Deutschland zurück. 1934 wurde er Oberkirchenrat in der Deutschen Evangelischen Kirchenkanzlei und zuständig für Fragen der theologischen Weiterbildung. Im Jahr 1935 wurde Langmann ins Auswärtige Amt übernommen. 1937 übernahm er als Gesandter die Leitung der deutschen diplomatischen Vertretung in Uruguay.


Mit einem Sonderflugzeug aus Buenos Aires traf bereits am Vormittag der avisierte und auch für Montevideo zuständige deutsche Marineattaché D. Niebuhr ein. Nach einem Gespräch mit Langmann und einem Informationsaustausch mit Langsdorff ging es direkt an Bord. Niebuhr besaß gute Spanisch-Kenntnisse und war vertraut mit den politischen Strukturen und Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft in Uruguay. In seiner Begleitung befand sich der in Buenos Aires lebende Marinebaurat a. D. Krankenhagen, der die Gefechtsschäden fachgerecht beurteilen sollte, der Presseattaché G. Sandstede, der auch Angestellter einer argentinischen Reederei A. Delfino war und der LBE (Leiter Berichterstatter) Th. Martens.

 

Anders ausgedrückt - außer Krankenhagen als Gutachter, war die erste Garnitur des deutschen Nachrichtendienstes aus Buenos Aires in Montevideo angereist. Denn Niebuhr war Angehöriger der Abwehr, Martens Leiter der geheimen Etappenorganisation der KM in der La Plata-Region und Sandstede war Agent der Auslandsorganisation des SD des Reichsführers SS. Entsandt wurden diese Drei von dem ehemaligen SS-Sturmführer und nun amtierenden deutschen Botschafter in Buenos Aires E. von Thermann. Die Herren kommen später in Argentinien noch mal ins Spiel.

 

Am frühen Abend des 14. Dezember suchte Langsdorff mit Langmann den Außenminister Dr. Guani auf. Sie wurden beide in einem Vorzimmer geführt und sollten dort warten. Kurz zuvor war Milligton–Drake zu einem Gespräch bei dem Minister. Als er den Raum verließ, ergab es sich, "sicher nur zufällig", dass er an Langsdorff und Langmann vorbei ging und obwohl er vorgab, sie zu ignorieren warf er einen Blick auf Langsdorff.

 

Nun, der Außenminister empfing anschließend Langsdorff und Langmann. Und während Letzterer sich setzte und mit dem Minister vertraut diplomatische Floskeln bzw. politische Rituale austauschte, blieb Langsdorff abseitsstehen, als wollte er einen Abstand zu den beiden bewusst bewahren.

 

Weiter nahm der Minister ein Blatt zur Hand und informierte über den Inhalt. >> Da stand, dass gestern am frühen Morgen ein Gefecht vor Punta del Este stattgefunden hatte und das deutsche Panzerschiff "Admiral Graf Spee" im Gefecht mit drei britischen Kreuzern sich befand. Im Laufe des Gefechts ging das deutsche Kriegsschiff siegreich hervor, ein britischer Kreuzer wurde zerstört und die beiden anderen flüchteten. Die "Graf Spee" erlitt kaum Schäden<<.

 

Langsdorff blickte fassungslose sofort zu Langmann, der reagierte und sagte: >> das ist nicht korrekt, das Schiff ist nicht seetüchtig <<

 

Und der Minister darauf: >> nein? aber ich gebe nur das wieder was ihre Deutsche Regierung über das Nachrichtenbüro heute um 15:15 Uhr OZ bekannt gab<<.

 

Zu den politischen Ränkespielen, die Langsdorff sicher nicht gewachsen war, kam jetzt auch noch propagandistische Desinformation der eigenen Regierung.


Freitag, 15. Dezember 1939

 

Dieser Tag stand ganz im Zeichen der Beerdigung. Die 36 im Gefecht Gefallenen und die 10 am Tag darauf gestorbenen Besatzungsmitglieder wurden überführt und auf dem Friedhof "Cementerio del Norte" beigesetzt. Und auch wenn inzwischen die diplomatische Schlacht voll entbrannt war, die Bevölkerung von Montevideo ließ sich nicht davon abhalten den Toten die letzte Ehre zu erweisen.

Auch die britischen Schiffsoffiziere, die im Laufe der Versenkung der aufgebrachten Handelsschiffe an Bord ausharrten, nahmen an der Trauerfeier teil.

Diese Schiffsoffiziere wurden allerdings schon am Morgen des 14. Dezember freigelassen. Im Einklang mit dem Völkerrecht, das verbietet, dass in einem neutralen Hafen, auf einem Kriegsschiff oder gekapertes Handelsschiff, Gefangene gehalten werden. (Art.21+22 der Hager Konvention)

 



Am Vormittag kam zunächst der deutsche Botschafter v. Thermann zu Besuch an Bord der "Graf Spee" – Langsdorff gab ihm das Bild des Grafen von Spee, das in der Kajüte hing, zur Verwahrung und zur späteren Weitergabe an das OKM.

Konnte man das Bisherige eine diplomatische Schlacht bezeichnen, begann jetzt der ultimative Nervenkrieg. Und das betraf nicht nur die deutsche Seite, sondern auch die uruguayische und die im Verborgenen agierenden Briten.

Inzwischen hatte sich ein reger Nachrichtenaustausch zwischen der deutschen Delegation und der Seekriegsleitung (Skl.) in Berlin ergeben. Und es wurde ausgelotet, welche Möglichkeiten machbar waren und welche nicht infrage kamen.

 

Auf die Bitte um Instruktionen antwortete die Skl aus Berlin, eher ausweichend: Eine Internierung in Uruguay käme nicht infrage, ob Langsdorff kämpfen und / oder das Schiff versenken wolle, müsse er selbst entscheiden!!! […].

 

Mit dieser Antwort schien allerdings auch eine mögliche Internierung in Argentinien ausgeschlossen.

 

Hinzu kam die von den Briten gesteuerte öffentliche Nachrichtenlage, die Desinformation zum Inhalt hatte. Angeblich war die Konzentration britischer Kriegsschiffe vor der La Plata-Mündung erheblich.

 

Bereits am Abend des 14. Dezember gegen 21:00 OZ, nach dem Besuch von Langsdorff und Langmann bei Guani, waren erneut wieder die beiden Offiziere Varela und Fontana an Bord gegangen, um die Schäden noch mal zu begutachten und entschieden sich endgültig für einen Aufenthalt von 72 Stunden.

 

Entgegen den bisherigen Intentionen wollten die Briten aber nun eine Fristverlängerung für den Verbleib der "Graf Spee" im Hafen. Grund war, dass zunächst eine hohe Schiffskonzentration in der La Plata-Mündung stattfinden sollte – was die wohl als ausgewogenes Kräfteverhältnis verstanden, drohte tatsächlich ein "Scheibenschießen" zu werden.

 

Vor diesem Hintergrund wurde das Auslaufen der Handelsschiffe, die im Hafen lagen, von britischer Seite aus bewusst gesteuert.

Das internationale Seerecht sah vor, dass kein Kriegsschiff einen Hafen verlassen durfte, wenn in den letzten 24 Stunden zuvor ein Handelsschiff der gegnerischen Seite diesen verlassen hatte.

 

Die Forderung um eine Fristverlängerung akzeptierte die uruguayische Regierung aber nicht. Diese befürchtete, dass diese Hinhaltestrategie die eigene Souveränität beschädigen würde, weil sie als Werkzeug der Briten erscheinen würden – also blieben diese bei dem 72 Stunden - Aufenthalt.

 

Langsdorff blieben nur folgende Möglichkeiten:

  • Die "Graf Spee" an die Uruguayer, wohl eher an die Briten, zu übergeben und sich mit seiner Besatzung internieren zu lassen.
  • Auszulaufen und mutmaßlich kämpfend unterzugehen.
  • Einen Durchbruch nach Buenos Aires, trotz der Wassertiefe des La Plata, wagen – mit allen denkbaren negativen Konsequenzen.
  • Die Besatzung durch Internierung in Sicherheit zu bringen und das Schiff, bei genügender Wassertiefe, zu versenken.

Kämpfend untergehen – für Langsdorff ein sinnloser Kampf, der in einem "Scheibenschießen" aufgegangen wäre angesichts der Übermacht. Er äußerte sich:

 

>>Ich werde uns nicht von einer Übermacht in Stücke schießen lassen - für mich sind tausend junge Männer lebend mehr wert als tausend tote Helden […]

 

Er hatte sich damit für das Überleben seiner Besatzung entschieden!


Sonntag frühmorgens, 17.Dezember 1939

 

Noch am späten Abend des 16. und den frühen Morgenstunden des 17. Dezember beriet er sich mit der deutschen Delegation und den StO. I AO FKpt. Ascher, I NO KKpt. Wattenberg und Lt.Ing. KKpt. Klepp.


Auszug aus dem Logbuch der "Prefectura General Maritima"
Auszug aus dem Logbuch der "Prefectura General Maritima"

Da die Besatzungen mit neutralen Fahrzeugen nach Argentinien evakuiert werden sollten, kamen wegen dem überwiegend flachen Gewässer des "La Plata" nur flachgehende Fahrzeuge infrage.

Also mussten argentinische Schlepper her, die die Reederei A. Delfino vorhielt. Mit der Durchführung wurde Kapitän Hepe, Inspektor der Reederei Hamburg Süd betraut.

 

Dem erreichte, in der Calle Estomba 2445, ein Anruf der deutschen Botschaft um 03:00 Uhr OZ. Sofort wurde Auto mit Fahrer organisierte und er traf sich mit Müller, dem Adjutanten von Niebuhr, im Gebäude des Banco Germánico. Nach erhaltenen Instruktionen ging wie folgt weiter - er los und sammelte die speziell infrage kommenden Besatzungen ein. Es ging ja nicht darum, irgendein "Seelenverkäufer" ins Hafenbecken zu schleppen, sondern um die sichere Evakuierung von über 1000 Seeleuten.


Vorbereitungen zur Sprengung

 

Im Morgengrauen des 17. Dezember gegen 04:00 Uhr OZ war Langsdorff an Bord der "Graf Spee" wieder zurück und teilte der Besatzung die Entscheidungen mit. Unmittelbar danach wurde damit begonnen, die technische Anlage zu zerstören, damit diese nicht dem Feind in die Hände fallen würden. Der Lt.Ing. Klepp und der I AO Ascher berieten inzwischen, wie das Schiff am besten zu sprengen wäre.

Die Verlegung der Kabel, die die Explosion elektrisch auslösen sollten, durch das Schiff von Achtern bis zum Bug, hatte den Nachteil, dass wenn Schotten sich unverhofft schließen würden, die Kabel dadurch getrennt würden wären und eine umfassende Explosion nicht stattfände. Langsdorff befahl darauf, dass die Explosion durch getrennte Kreisläufe organisiert werden sollte.

 

Es war nicht leicht, einen absolut sicheren Weg zu finden, die "Graf Spee" zu sprengen, dafür war diese zu robust gebaut.

Die Lösung waren Chronometer, die als Zeitzünder genutzt wurden, und die getrennten Kreisläufe wurden nach der Anzahl der verfügbaren Torpedos gelegt, die an den lebenswichtigen Stellen des Schiffes deponiert wurden.

 

Die Köpfe der restlichen fünf Torpedos wurden in die Munitionskammern der Türme und in die vier Maschinenräume platziert. Diese Köpfe, mit Sprengstoff gefüllt, wurden mit einem Zünder einer Handgranatensprengkapsel, die an eine Batterie angeschlossen war, verbunden. Die Auslösung erfolgte durch die Zeiger des Chronometers.

Wichtig war, die fünf Chronometer so einzustellen, dass die Explosionen synchron stattfanden und nicht verzögert, da sonst einzelnen Schaltungen vorzeitig durchtrennt worden wären.

 

Die Geschütztürme wurden mit Granaten gefüllt, an denen die Kartuschen entfernt worden waren und Säcke mit Schwarzpulver platziert. Die Türme waren jetzt in eine riesige Sprengladung verwandelt worden.

Auch alle nur denkbaren Dokumente und Aufzeichnungen, ausgenommen das KTB, wurden der Vernichtung zugeführt.

Nur die technischen Anlagen, die für das Auslaufen des Schiffes absolut notwendig waren, bleiben erhalten.


Sonntag Mittagszeit, 17.Dezember 1939

 

Inzwischen meldete die Botschaft in Buenos Aires, dass ein angeforderter Schlepper, und der Leichter im Schlepp, um 06:00 Uhr OZ und der zweite Schlepper mit Kapitän Hepe an Bord, um 09:00 Uhr OZ ausgelaufen waren und mit 12-13 kn rechtzeitig die Außenreede von Montevideo erreichen würden. Dem KTB ist zu entnehmen, dass das spätere Auslaufen einer Brennstoffergänzung geschuldet war, die die britische Shell-Mex lieferte – Ironie des Momentes.

  • Im Laufe des Tages beschlossen den Mar.Ob.St.Arzt Dr. Kertzendorff in Montevideo zu belassen, um die Betreuung der Verletzten im Hospital zu übernehmen.
  • Weiter gingen die fünf HSO an Land. Sie wurden von Langsdorff vor dem Von-Bord-Gehen formell aus der Kriegsmarine entlassen und waren somit wieder "nur" deutsche Handelsschiffoffiziere.
  • Die sechs chinesischen Zivilisten, die in der Wäscherei tätig waren, erhielten von Langsdorff ein Dokument, aus den hervorging, dass es sich um Zivilisten handelte und nicht um sogenannte Kombattanten im Sinne der Genfer Konvention.
  • Darüber hinaus wurden fünf Offiziere, die zwei Inspektoren, die drei Degbeg Funker, der Meteorologe und sein Wetterfunker in Montevideo belassen.

Im Laufe des Nachmittags wurde von Langsdorff eine Protestnote formuliert, mit dem Hinweis, dass er gegen alle Neutralitätsbestimmungen gezwungen sei, mit einem Schiff auszulaufen, das nicht seetüchtig sei. Die Note wurde dem Gesandten Langmann überreicht und dieser reichte sie an die uruguayische Regierung weiter.



Schwerer Kreuzer HMS "Exeter"

Der Wahlspruch: "Semper fidelis"

York-Klasse - 8390 ts - 32 kn

Leichter Kreuzer HMS "Ajax"

Der Wahlspruch: " Non other than Ajax"

 Leander-Klasse - 7270 ts - 32,5 kn

Leichter Kreuzer HMNZS "Achilles"

Der Wahlspruch: "Braverly in Action"

Leander-Klasse - 7270 ts - 32,5 kn